Adecco Group Swiss Job Market Index (Job-Index)

Adecco Job Market Index - Graphik

Zürich, 6. April 2020 – Mit der Zuspitzung der Corona-Krise sinkt die Zahl der Stellenausschreibungen deutlich, wie Spezialauswertungen im Rahmen des Adecco Group Swiss Job Market Index für die Schweizer Stellenbörsen zeigen. Die Zahl der Stelleninserate auf den Jobbörsen sackte innert nur zwei Wochen um rund 26% ab, nachdem der Bundesrat am 16. März die «ausserordentliche Lage» verkündet hatte. Noch kurz davor wies der Adecco Group Swiss Job Market Index im 1. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Plus von 4% auf. Dies zeigt die wissenschaftlich fundierte Erhebung des Adecco Group Swiss Job Market Index des Stellenmarkt-Monitors der Universität Zürich. Allerdings unterschied sich die Entwicklung nach Berufsgruppen. Mit einem Plus von 20% und mehr verzeichneten die Gesundheitsberufe sowie die Bau- und Ausbauberufe kurz vor der Corona-Krise eine starke Zunahme.

Seit Einführung der «ausserordentlichen Lage» durch den Bundesrat am 16.3.2020 und den laufend angepassten Massnahmen zur Eindämmung von COVID-19 ist die Zahl der Stellenausschreibungen auf den Internetjobbörsen innert nur zwei Wochen um rund 26% gesunken. «Der aktuelle Einbruch in der Zahl der Stelleninserate ist markant und erinnert in seinem Ausmass bereits jetzt an vergangene Krisen wie etwa im Zusammenhang mit dem Frankenschock 2015 oder der Bankenkrise 2008. Die Ausgangslage ist hier allerdings eine völlig neue, sodass dank Kurzarbeit die Chance für eine mittelfristige Erholung intakt ist», führt Nicole Burth, CEO der Adecco Gruppe Schweiz, aus.

Aber auch derzeit sind nicht alle Berufe negativ von der aktuellen Lage betroffen. Unternehmen, deren Dienstleistungen und Produkte nun besonders stark nachgefragt sind, haben Mühe, schnell genug an das dringend benötigte Personal heranzukommen. Dazu berichtet Nicole Burth, CEO der Adecco Gruppe Schweiz: «Wir beobachten insgesamt eine Verlangsamung der Wirtschaft. Dies vor allem im Gastrobereich, wo Events abgesagt werden müssen. Es zeigt sich allerdings je nach Branche eine sehr unterschiedliche Lage. Beispielsweise ist aktuell medizinisches Personal sehr gesucht sowie auch Personal in der Lebensmittelindustrie, im Online-Detailhandel und punktuell auch in Logistik- und Industriebetrieben. Mitarbeitende in betroffenen Bereichen versuchen wir auf die gesuchten Bereiche umzupositionieren. Die Herausforderung ist es, in kürzester Frist die benötigten Fachkräfte zu finden.»

«Die Entwicklung der Anzahl Stelleninserate auf den Jobbörsen* ist nur einer der Indikatoren für die aktuelle Negativentwicklung der Stellenausschreibungen in vielen Berufen. Bereits im nächsten Quartal werden sich die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Gesamtstellenmarkt und insbesondere auch für die verschiedenen Berufsgruppen deutlich zeigen und wir werden Anfang Juli anhand unserer Job Index Quartalsdaten** einen detaillierten Vergleich mit der Situation kurz vor Zuspitzung der Corona-Krise machen können», erläutert Anna von Ow vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz.

Im 1. Quartal 2020, kurz vor Zuspitzung der Corona-Krise, stieg die Zahl der Stellenausschreibungen mit einem Plus von 4% im Vergleich zum Vorjahresquartal moderat an, wie die Entwicklung des Adecco Group Swiss Job Market Index (Job Index) zeigte. Die Hälfte der ausgewiesenen Berufsgruppen verzeichnete einen Anstieg und neben Gesundheitspersonal wurden auch mehr Leute für Berufe von Bau und Ausbau, der persönlichen und sozialen Dienstleistungen sowie von Management und Organisation gesucht.

 

* Der Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich verfolgt die Entwicklung der Stellenbörsen in kurzen Zeitabständen und konnte so die kurzfristige Entwicklung in den letzten Wochen höchst aktuell nachzeichnen und entsprechend Spezialauswertungen zur aktuellsten Entwicklung des Adecco Stellenbörsenindex vornehmen.

** Die Werte des Adecco Group Swiss Job Market Index (Job Index) beruhen auf umfangreichen vierteljährlichen Inserateauszählungen, welche zur Vergleichbarkeit über mehrere Jahre hinweg jeweils während einer Stichwoche (Messungen fürs 1. Quartal 2020 um die Kalenderwoche 9 herum) durchgeführt werden. Sie beruhen auf Stellenausschreibungen von Unternehmenswebseiten und Stellenbörsen.

Schon vor Zuspitzung der Corona-Krise stieg die Personalnachfrage in den Gesundheitsberufen überdurchschnittlich

Kurz bevor sich die Corona-Krise zugespitzt hat, verzeichneten verschiedene Berufe einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahresquartal: Deutlich angestiegen war im 1. Quartal 2020 die Nachfrage in den Gesundheitsberufen (+22%) und in den Bau- und Ausbauberufen (+20%). Zudem verzeichneten die Berufe des Gastgewerbes und der persönlichen Dienstleistungen zu jenem Zeitpunkt noch einen Anstieg (+13%) und auch die Berufe von Management und Organisation legten leicht zu (+9%). In vielen Berufsgruppen stagnierte die Personalsuche der Unternehmen im 1. Quartal 2020 jedoch oder nahm leicht ab: Technik und Naturwissenschaften (+3%), Büro und Verwaltung (+1%), Unterricht und öffentliche Dienstleistungen (0%), Finanz und Treuhand (–2%), Handel und Verkauf (–3%), Informatik (–4%). Die Berufe von Industrie und Transport nahmen im Vergleich zum Vorjahr bereits vor der Zuspitzung der Corona-Krise um 6% ab.

Der überdurchschnittlich hohe Anstieg der Nachfrage in den Gesundheitsberufen setzte sich im 1. Quartal 2020 somit fort. Vermehrt gesucht wurden vor allem Ärzte/-innen und Krankenpflegepersonal, medizinische Praxisassistenten/-innen sowie Apothekenhelfer/-innen. «Zusätzlich zum generell steigenden Bedarf im Gesundheitssystem wurde und wird nun schrittweise alles verfügbare medizinische Personal vorbereitet und aktiviert, um auf die wachsende Zahl Patienten/-innen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu reagieren», kommentiert Anna von Ow vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz.

Im 1. Quartal 2020 stieg auch die Zahl der Stellenausschreibungen für die Berufe von Bau und Ausbau im Jahresvergleich deutlich an (+20%). Dabei legte sowohl das Bauhauptgewerbe als auch das Ausbaugewerbe zu. Zum Bauhauptgewerbe gehören beispielsweise Berufe wie Zimmerleute, Betonbauer/-innen oder Maurer/-innen, zur Berufsgruppe des Ausbaugewerbes gehören unter anderem Boden- und Plattenleger/-innen, Dachdecker/-innen oder Spengler/-innen.

Die Berufe von Gastgewerbe und persönlichen Dienstleistungen verzeichneten kurz vor der Zuspitzung der Corona-Krise noch einen Anstieg von 13% im Vergleich zum Vorjahr. Zu jener Berufsgruppe gehören unter anderem Gastgewerbeberufe wie Service- oder Küchenpersonal, aber auch Berufe der Ordnung und der Sicherheit, Berufe der Körperpflege oder Hauswirtschaftsberufe. «Aktuell beobachten wir aufgrund der Krisenregelungen für Restaurants, Hotellerie und Events im Gastgewerbe und in der Hotellerie einen starken Rückgang der Personalnachfrage», erklärt Nicole Burth, CEO der Adecco Gruppe Schweiz.

Auch die Berufe von Management und Organisation legten im 1. Quartal 2020 noch kurz vor Zuspitzung der Corona-Krise um 9% zu. Zu dieser Berufsgruppe gehören unter anderem Berufe der Werbung und des Marketings, Unternehmer/-innen und Direktoren/-innen oder auch kaufmännische und administrative Angestellte

Im 1. Quartal 2020 hat die Zahl der Stellenausschreibungen in den Berufen von Industrie und Transport um 6% abgenommen. Zu dieser Berufsgruppe gehören beispielsweise Berufe des Metallbaus und der Metallbearbeitung, der Fahrzeugindustrie und Berufe des verarbeitenden Gewerbes.

Vor Corona-Zuspitzung: Stabilität bis hin zu leichtem Wachstum in den Schweizer Grossregionen im 1. Quartal 2020

Wie sich die Corona-Krise in der Stellenmarktentwicklung der einzelnen Regionen niederschlägt, wird sich dann vor allem im Vergleich zum nächsten Quartal deutlich zeigen. Kurz vor Zuspitzung der Corona-Krise war die Lage in den Schweizer Grossregionen vorwiegend stabil beziehungsweise konnte teilweise eine leichte Zunahme in der Anzahl Stelleninserate beobachtet werden: Während der Espace Mittelland (+7%) und die Nordwestschweiz (+7%) sowie die Genferseeregion (+6%) leicht zulegen konnten, stagnierten die Zentralschweiz (+3%), der Grossraum Zürich (+1%) und die Ostschweiz (–1%).

Im Espace Mittelland, der vor Zuspitzung der Corona-Krise einen Anstieg von 7% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete, nahm die Zahl der Stellenausschreibungen vor allem in den Berufen von persönlichen und sozialen Dienstleistungen zu, und zwar mit 35% im Vergleich zum Vorjahr. Hierzu gehören unter anderem Berufe des Gastgewerbes (z. B. Servicefachleute) und des Unterrichts (z. B. Primarlehrpersonen), aber auch Gesundheitsberufe. Alle anderen Berufsgruppen stagnierten hier hingegen zwischen –1% und +1% im Vergleich zum Vorjahresquartal.

In der Nordwestschweiz legte der Stellenmarkt im 1. Quartal 2020 noch kurz vor Zuspitzung der Corona-Krise ebenfalls um 7% zu. Für die Berufe der Unternehmensdienstleistungen nahm die Zahl der Stelleninserate um 9% zu. Zu dieser Berufsgruppe gehören beispielsweise Unternehmer/-innen oder leitende Angestellte. Die Berufe von Technik und Informatik verzeichneten lediglich ein leichtes Plus von 6%. Hingegen stagnierten die Berufe von Industrie und Bau (+3%) sowie die Berufe der persönlichen und sozialen Dienstleistungen (–1%).

Die Genferseeregion legte im 1. Quartal 2020 kurz vor Zuspitzung der Corona-Krise um 6% zu. Dabei stieg die Zahl der Stellenausschreibungen sowohl in den Berufen von Technik und Informatik (+13%) als auch in jenen der Unternehmensdienstleistungen (+10%). Die Stelleninserate für Berufe der persönlichen und sozialen Dienstleistungen (+3%) sowie für Berufe von Industrie und Bau (+2%) stagnierten hingegen.

In der Zentralschweiz stagnierten die Stellenausschreibungen im Vergleich zum Vorjahr mit einem leichten Plus von 3%. Allerdings entwickelten sich die Berufsgruppen im 1. Quartal 2020 unterschiedlich. Während die Berufe von Industrie und Bau etwas zulegen konnten (+15%), haben alle anderen etwas abgenommen: Die Stelleninserate für Berufe von Technik und Informatik sind um 9%, jene für die Berufe der persönlichen und sozialen Dienstleistungen um 8% zurückgegangen. Die Ausschreibungen für Berufe der Unternehmensdienstleistungen stagnierten mit –3% auf Vorjahresniveau.

Eine Stagnation der Stelleninserate im 1. Quartal 2020 konnte auch im Grossraum Zürich beobachtet werden. Die Berufsgruppen entwickelten sich jedoch unterschiedlich. Die persönlichen und sozialen Dienstleistungen legten im Vorjahresvergleich um 14% zu, wobei vor allem die Gesundheitsberufe stärker nachgefragt wurden, aber auch in den Gastgewerbe- und Hauswirtschaftsberufen konnte ein Anstieg beobachtet werden. Hingegen nahm die Zahl der Stellenausschreibungen für Berufe von Industrie und Bau um 15% ab, wobei die Industrieberufe für diese Abnahme verantwortlich waren. Zu den Industrieberufen gehören zum Beispiel die Berufe des Maschinenbaus oder des Fahrzeug- und Gerätebaus. Der Stellenmarkt für Berufe von Technik und Informatik (0%) sowie der Unternehmensdienstleistungen (+1%) verharrte auf Vorjahresniveau.

Der Stellenmarkt der Ostschweiz verharrt auf Vorjahresniveau (–1%). Abgenommen haben hier im 1. Quartal 2020 vor allem die Berufe von Technik und Informatik mit einem Minus von 16%, wobei von der Abnahme vorwiegend die Ingenieur- und Technikberufe betroffen sind. Berufe von Industrie und Bau sowie von persönlichen und sozialen Dienstleistungen verzeichneten noch ein leichtes Plus von 6% beziehungsweise 5% und die Unternehmensdienstleistungen stagnierten im Vergleich zum Vorjahr (–2%).

Methode und Datenbasis

Der Adecco Group Swiss Job Market Index misst die Veränderungen des Stellenangebots − der Zahl der öffentlich ausgeschriebenen Stellen − in der Schweiz. Der Index ist repräsentativ für das gesamte Stellenangebot in Presse*, auf Unternehmens­web­seiten sowie in Internet-Stellen­portalen. Er stützt sich auf umfassende Auszählungen von Stellenausschreibungen sowie regelmässige Unternehmensbefragungen. Dank der Kooperation mit Adecco kann der durch den SMM erstellte Index seit März 2008 quartalsweise zur Verfügung gestellt werden. Ein PDF-Dokument mit detaillierteren Angaben zur Datengrundlage und Methodik steht am Ende dieser Seite zum Download bereit. Zudem stehen die aktuellen Indexwerte, die jeweils anfangs April, Juli, Oktober, Januar publiziert werden, als Excel-File zur Verfügung**.

Daten (Indexwerte) (XLSX, 17 KB)

Methoden (PDF, 223 KB)

Schema Erhebungsdesign (PNG, 104 KB)

 

* Aufgrund des Bedeutungsverlusts der Presse für Stellenanzeigen fliesst die Anzahl der Stelleninserate in der Presse seit dem 2. Quartal 2018 nicht mehr in die Berechnungen des Adecco Group Swiss Job Market Index ein.

** Da sich der Stellenmarkt stetig wandelt und wir unsere Erhebungsmethoden dementsprechend anpassen und verbessern, kann es vorkommen, dass die aktuell publizierten Zahlen leicht von früher publizierten Zahlen abweichen.