Adecco Swiss Job Market Index (ASJMI)

Das Stellenangebot in der Schweiz hat im ersten Quartal 2012 im langjährigen Vergleich einen neuen Höchstwert erreicht. Dies zeigen die von der Universität Zürich erhobenen Quartalswerte des Adecco Swiss Job Market Index (ASJMI), der wissenschaftlichen Messgrösse für den Schweizer Gesamtstellenmarkt in Internet und Presse. Der Ende 2011 registrierte Nachfrageeinbruch ist trotz weiterhin fragiler Weltwirtschaft bereits überwunden. Ausser der Ostschweiz profitierten alle Regionen vom steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Am markantesten fiel der Aufwärtstrend bei den medizinischen und sozialen Dienstleistungen sowie bei den Managementberufen aus.
So viele offene Stellen gab es schon lange nicht mehr: Mit einer Zunahme von 9% durchbrach der ASJMI im ersten Quartal 2012 mit 100.6 Punkten erstmals seit 2008 wieder die symbolträchtige Marke von 100 Punkten. Das saisonale Tief Ende Dezember 2011 (92.3 Punkte) hat der Index dank dieser positiven Entwicklung weit hinter sich gelassen. Im Vergleich zu Ende März 2011 stieg die Zahl der ausgeschriebenen Stellen um 2% und lag nur noch rund 3% unter dem bisherigen Allzeit-Höchststand vom Juni 2008 (104.1 Punkte).
Stärkster Zuwachs in den Regionen Genfersee, Mittelland und Zürich
Vom starken Aufwärtstrend im Stellenmarkt profitierten fast alle Regionen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Am stärksten manifestierte sich die positive Entwicklung mit einem Quartalszuwachs von +21% in der Region Genfersee. Doch auch der Espace Mittelland und der Grossraum Zürich zeigten im letzten Quartal beachtliche Zunahmen (jeweils +11%). Etwas geringer fiel das Plus in der Nordwest- und der Zentralschweiz aus (jeweils +6%). Einzig die Ostschweiz konnte bisher nicht von der anziehenden Personalnachfrage profitieren (–1%). Allerdings behauptet sich diese Region im Jahresvergleich mit +4% gut, da sie sich 2011 im Gegensatz zu allen anderen Regionen nicht rückläufig entwickelt hatte.
In der längerfristigen Betrachtung zeigt der Espace Mittelland mit dem Schwergewicht Bern die weitaus beste Stellenmarktentwicklung. Im Vorjahresvergleich wuchs das Stellenangebot in dieser Region um 20%, im Vergleich zu Ende März 2010 gar um 56%. Damit liess der Espace Mittelland punkto Stellenmarktdynamik alle anderen Regionen deutlich hinter sich. Im Grossraum Zürich etwa wurden im Vorjahresvergleich deutlich weniger Stellen (–5%) ausgeschrieben, in der Genfersee-Region gar 9% weniger. In den anderen Regionen resultierte jeweils eine schwach positive Entwicklung von +2% bis +4%.
Grosser Personalbedarf in Management, Medizin und Unterricht
Zur überraschend guten Entwicklung des Schweizer Stellenmarkts in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 trugen insbesondere zwei Berufsgruppen bei: Management und Organisation (+31%; vor allem mittlere und höhere Kaderpositionen) sowie Medizin und soziale Dienstleistungen (+26%; in erster Linie medizinisches Personal und Lehrkräfte). Im Vorjahresvergleich wuchs das Stellenangebot in diesen beiden Berufsgruppen um +12% (Management und Organisation) respektive um +5% (Medizin und soziale Dienstleistungen).
Auch in den Berufsfeldern Finanz und Treuhand (+19%) sowie Büro und Verwaltung (+17%) boten die Unternehmen im ersten Quartal 2012 wieder deutlich mehr Stellen an. Allerdings glich dies den starken Rückgang der vorangegangenen Quartale nur unvollständig aus, sodass im Vorjahresvergleich in beiden Fällen immer noch ein deutliches Minus resultiert (–20% für Büro und Verwaltung; –13% für Finanz und Treuhand).
Auch in den meisten übrigen Berufsgruppen wuchs das Stellenangebot im ersten Quartal 2012 leicht an. In der Berufsgruppe Technik und Informatik fiel diese Entwicklung deutlich aus (+8%), während sie in Verkauf und Marketing sowie in den industriellen und baugewerblichen Berufen (je +3%) bescheiden blieb. Das Gastgewerbe und die persönlichen Dienstleistungen mussten gar einen leichten Rückgang (–4%) hinnehmen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Unternehmen in erster Linie Bedarf an qualifizierten Berufsleuten für anspruchsvolle Tätigkeiten in Dienstleistung, Management und Verwaltung haben.
Mehr Stellen auf allen Kanälen
Die drei untersuchten Ausschreibungskanäle profitierten alle von der intensivierten Personalsuche der Schweizer Unternehmen. Auf dem wichtigsten Kanal, den Unternehmenswebsites, betrug der Quartalszuwachs +4%; bei den Onlinestellenportalen erreichte er gar +11%. Weitaus am grössten fiel der Zuwachs im untersuchten Quartal bei den Presseinseraten aus (+47%). Diese Entwicklung lässt sich als Ausgleich zum starken, saisonal bedingten Einbruch des Vorquartals interpretieren. Im Vorjahresvergleich musste die Presse hingegen einen weiteren Rückgang hinnehmen (–14%), während die beiden Online-Kanäle leicht zulegten (+4%).
Methode und Datenbasis
Der Adecco Swiss Job Market Index misst die Veränderungen des Stellenangebots − der Zahl der öffentlich ausgeschriebenen Stellen − in der Schweiz. Der Index ist repräsentativ für das gesamte Stellenangebot in Presse, auf Unternehmenswebseiten sowie in Internet-Stellenportalen. Er stützt sich auf umfassende Auszählungen von Stellenausschreibungen sowie regelmässige Unternehmensbefragungen. Dank der Kooperation mit Adecco kann der durch den SMM erstellte Index ab März 2008 quartalsweise zur Verfügung gestellt werden. Ein PDF-Dokument mit detaillierteren Angaben zur Datengrundlage und Methodik steht am Ende dieser Seite zum Download bereit. Zudem stehen die aktuellen Indexwerte, die jeweils Anfangs Februar, Mai, August, November publiziert werden, als Excel-File zur Verfügung.

