Adecco Group Swiss Job Market Index (Job Index)

Zürich, 12. April 2022 – Schweizer Stelleninserate sind im 1. Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 47% gestiegen und erreichen zum zweiten Mal in Folge einen Rekordwert. Arbeitskräfte haben auf dem hiesigen Arbeitsmarkt so gute Chancen wie schon lange nicht mehr. Verfügen sie über besonders nachgefragte digitale Kompetenzen, dann stehen ihnen die Türen zum Arbeitsmarkt weit offen. Dies zeigt die wissenschaftlich fundierte Erhebung des Adecco Group Swiss Job Market Index des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich.

Trotz den anfänglichen Unsicherheiten bezüglich des Auftretens der Omikron-Variante gegen Ende des letzten Jahres und den andauernden internationalen Lieferengpässen ist der Schweizer Arbeitsmarkt in Höchstform. Seit dem Frühjahr 2021 wird ein rasanter Anstieg in der Anzahl Stellenausschreibungen verzeichnet. Im Vergleich zum 4. Quartal 2021 wurden 7% mehr Stellen ausgeschrieben. Verglichen mit dem 1. Quartal 2021 beträgt die Zunahme sogar satte 47%. Somit erreicht der Index ein zweites Mal in Folge einen historischen Rekordwert.

«Die steigende Nachfrage nach Fachkräften kann mit dem Post-Corona Wirtschaftsboom erklärt werden. Auch in naher Zukunft erwarten viele Unternehmen eine weitere Zunahme der Nachfrage und sind deshalb dabei, ihre Produktions- und Leistungserbringungskapazitäten auszubauen.»

Marcel Keller, Country Head Adecco Schweiz

Die vermehrte Nachfrage nach Arbeitskräften wird auch durch die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH bestätigt[1]. Gemäss KOF planen Unternehmen aus allen Branchen ihren Personalbestand auszubauen.

Arbeitnehmenden, die über besonders nachgefragte Kompetenzen verfügen, stehen zurzeit viele Türen offen.

Spezialfokus: Digitale Kompetenzen in Schweizer Stelleninseraten

Seit der Jahrtausendwende schreitet die Digitalisierung in vielen Bereichen rasant voran. Dies ist auch in der Arbeits- und Berufswelt deutlich ersichtlich. Digitale Technologien, womit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) gemeint sind, sind bereits in fast allen Berufen Standard. Das Auftreten der Pandemie könnte den digitalen Wandel in den meisten Wirtschaftsbereichen nochmals beschleunigt haben.

«Die wiederkehrenden Lockdowns zwangen Unternehmen und Arbeitnehmende dazu, im Eiltempo neue digitale Technologien anzuwenden, um die Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten. Der Umgang mit diversen digitalen Kommunikationstechnologien, das Einkaufen über Online-Kanäle, sowie das kontaktlose Bezahlen sind heutzutage kein Novum mehr. Aufgrund dieser seit Jahren fortschreitenden Transformation und Digitalisierung werden Kompetenzen im Umgang mit neuen digitalen Technologien auch in Zukunft immer häufiger von Arbeitnehmenden erwartet.»

Marcel Keller, Country Head Adecco Schweiz

Eine Analyse von Schweizer Stelleninseraten über die letzten sieben Jahre hinweg zeigt, dass Unternehmen in knapp der Hälfte aller Inserate (49%) mindestens eine digitale Kompetenz verlangen. Oft sind es allerdings mehrere unterschiedliche Kompetenzen gleichzeitig, die vorausgesetzt werden. Dies bestätigt, dass digitale Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind.

Für die Studie wurde zwischen sechs Typen von digitalen Kompetenzen unterschieden: Digitale Grundkompetenzen, Content Management, Netzwerk-, System- und Datenmanagement, digitale Unternehmenssteuerung, Softwareentwicklung und branchenspezifische Informations- und Kommunikationstechnologien.

Insbesondere Grundkenntnisse im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien werden oft von Unternehmen in Stelleninseraten nachgefragt. Dies zeigt ein Vergleich der sechs Kompetenzen über alle Inserate der letzten sieben Jahre. Insgesamt 31% aller Inserate weisen eine Nachfrage nach digitalen Grundkompetenzen auf.

Ebenfalls häufig verlangen Unternehmen nach Kompetenzen im Content Management (23%) und im Netzwerk-, System- und Datenmanagement (19%). Insgesamt zeigt sich: Je allgemeiner die digitalen Kompetenzen sind, umso höher fällt in der Regel die Nachfrage danach aus.

«Die hohe Nachfrage nach digitalen Grundkompetenzen lässt sich durch den stetigen Technologiewandel erklären, der den gesamten Arbeitsmarkt erfasst. In vielen Berufen werden Arbeitsprozesse fortdauernd digitalisiert. Während beispielsweise ein/e Automechaniker/in früher seine/ihre Arbeit ausschliesslich mit Schraubenzieher und Drehmomentschlüssel verrichtete, gewinnt heutzutage der Computer als zusätzliches Werkzeug immer mehr an Bedeutung. Digitale Grundkompetenzen liefern den Arbeitnehmenden die Werkzeugkiste, um in der digitalen Welt flexibel zu bleiben. Von Arbeitnehmenden wird deshalb zunehmend erwartet, dass sie Grundkenntnisse im Umgang mit digitalen Technologien und Themen mitbringen.»

Yanik Kipfer, Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich

Untersucht man die Nachfrage nach digitalen Kompetenzen innerhalb der Berufsgruppen, so ergibt sich ein deutliches Bild. Bei der Mehrheit der Berufe sind digitale Kompetenzen eine Voraussetzung. Bei sechs von elf untersuchten Berufsgruppen weisen mehr als die Hälfte aller Inserate einen Bedarf für mindestens eine digitale Kompetenz auf. Im Vergleich hierzu, wurden digitale Kompetenzen im Jahr 1990 noch kaum in Stelleninseraten erwähnt[2]. Digitale Kompetenzen werden vor allem bei den Hochschulberufen der Informatik (bspw. Softwareentwickler/-innen, Systemadministratoren/-innen oder Systemanalytiker/-innen) vorausgesetzt. 99% aller Inserate dieser Berufsgruppe setzen mindestens eine digitale Kompetenz voraus. Auffällig ist, dass nebst den Hochschulberufen der Informatik zwei nicht-akademische Berufsgruppen eine besonders hohe Nachfrage nach digitalen Kompetenzen aufweisen: die Fachkräfte in den Bereichen Technik sowie Büro und Verwaltung.

Während bei den Fachkräften der Technik (bspw. Elektrotechniker/-innen, Technische Zeichner/-innen oder Maschinenbautechniker/-innen) 66% aller Inserate eine digitale Kompetenz verlangten, waren es bei den Fachkräften von Büro und Verkauf (bspw. Projektleiter/-innen, Sekretariatskräfte oder Handelsmakler/-innen) 65% aller Inserate. Im Gegensatz dazu setzen bei den Fachkräften von Bau und den Hilfskräften (bspw. Schreiner/-innen, Gipser/-innen oder Hilfsarbeiter/innen in Transport und Lagerei) immerhin noch 16% aller ausgeschriebenen Stellen eine digitale Kompetenz voraus.

Der Erwerb von digitalen Kompetenzen entwickelt sich somit in allen Berufsgruppen, von den akademischen zu den handwerklichen, immer mehr zu einer Grundvoraussetzung für die Berufsausübung.

Digitale Grundkompetenzen

Bei Betrachtung der Verteilung von digitalen Kompetenzen in den Berufsgruppen zeigt sich, dass die einzelnen Kompetenzen eine unterschiedlich grosse Bedeutung in den verschiedenen Berufsgruppen haben. Dennoch bestätigt ein Blick auf die Zahlen erneut, dass in den meisten Berufsgruppen am häufigsten digitale Grundkompetenzen gesucht sind. Der Erwerb von allgemeinem Technologiewissen und Anwendungskompetenzen im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien lohnt sich somit für Arbeitnehmende, die bisher kaum über digitale Kompetenzen verfügen.

Content Management

Kompetenzen im Content Management sind bei den Hochschulberufen von Informatik (58%), bei den Fachkräften von Büro und Verwaltung (41%), den Fachkräften von Technik (32%) und den Hochschulberufen von Wirtschaft (30%) besonders gefragt.

Bei den Hochschulberufen von Informatik werden hauptsächlich Kompetenzen im Umgang mit Webentwicklung (bspw. HTML, Responsive Webdesign) und Versionskontrolle (bspw. Git - einem Verfahren zur Verwaltung von Softwarecode), gesucht. Bei den Fachkräften von Büro und Verwaltung und den Fachkräften der Technik sind es dagegen vorwiegend Kompetenzen im Umgang mit Microsoft-Office-Applikationen.

Bei den Hochschulberufen von Wirtschaft (bspw. Fachkräfte in Marketing und Werbung, technische Verkaufsfachkräfte) sind zusätzlich zu Kompetenzen im Umgang mit Microsoft Office oft auch Kenntnisse im Umgang mit Social Media gefragt.

Netzwerk-, System- und Datenmanagement

Digitale Kompetenzen im Umgang mit Netzwerk-, System- und Datenmanagement brauchen insbesondere Arbeitskräfte in den Hochschulberufen der Informatik (81%), der Naturwissenschaften (29%) und der Wirtschaft (24%) sowie Führungskräfte (22%).

Bei den Hochschulberufen der Informatik werden hauptsächlich digitale Kompetenzen im Umgang mit Datenbanken, IT-Infrastruktur, Servern, Cloud-Umgebungen sowie Linux und Windows Systemen gesucht. Bei den Hochschulberufen der Naturwissenschaften (bspw. Physiker/-innen, Ingenieur/-innen und Mathematiker/-innen) ist die Nachfrage nach Kenntnissen von Gebäudeautomation, Datenanalyse und Hardwareentwicklung gross. Bei den Hochschulberufen von Wirtschaft und bei Führungskräften suchen Unternehmen insbesondere nach Arbeitskräften mit Kenntnissen von Customer-Relationship-Management-Systemen und Datenanalyse.

Digitale Unternehmenssteuerung

Auch im Bereich der Kompetenzen für die digitale Unternehmenssteuerung ist die Nachfrage besonders bei den Hochschulberufen der Informatik (64%), den Fachkräften der Technik (24%) und den Fachkräften von Büro und Verwaltung (24%) hoch. Zusätzlich werden Kompetenzen in diesem Bereich auch bei den Führungskräften (23%) eifrig gesucht.

Bei den Hochschulberufen der Informatik fragen Unternehmen in Stelleninseraten insbesondere Kompetenzen im IT-Support, namentlich 3rd Level Support, und dem Bereitstellen von Softwarelösungen (bspw. Scrum, agile Entwicklungsprozesse) nach. Auch bei den Fachkräften der Technik sind Kompetenzen im IT-Support (hier primär 2nd Level Support) sowie im Umgang mit ERP-Software gesucht. Kenntnisse von ERP-Software ist wiederum auch bei den Fachkräften in Büro und Verwaltung (häufig genannt werden SAP, Navision und Abacus) und bei den Führungskräften von Bedeutung. Bei den Führungskräften werden oft auch Kompetenzen im Digital Marketing (bspw. Search Engine Advertising und Search Engine Optimization) vorausgesetzt.

Softwareentwicklung

Personen mit Kompetenzen in der Softwareentwicklung suchen Unternehmen vorwiegend bei den Hochschulberufen der Informatik (82%) und der Naturwissenschaft (29%) sowie bei den Fachkräften der Technik (23%) und dem Handwerk und der Industrie (16%).

Während bei den Hochschulberufen der Informatik oft Kenntnisse in den Programmiersprachen Java, Javascript und C# verlangt werden, sind es bei den Hochschulberufen der Naturwissenschaft primär C und C++ sowie Kenntnisse im Umgang mit Simulationssoftware (bspw. Ansys). Bei den Fachkräften der Technik wiederum werden Programmierkenntnisse in spezifischen CAD-Umgebungen (bspw. MegaCAD und Plancal Nova) vorausgesetzt. Auch die Fachkräfte von Handwerk und Industrie (bspw. Mikromechaniker/-innen, Uhrmacher/-innen und Polymechaniker/-innen) können auf dem Arbeitsmarkt von Programmierkenntnissen profitieren.

Branchenspezifische IKT

Branchenspezifische IKT-Kompetenzen verlangen Arbeitgebende oft bei den Hochschulberufen der Informatik (52%), Hochschulberufen der Naturwissenschaften (35%), bei den Fachkräften der Technik (32%) und bei den Fachkräften von Handwerk und Industrie (21%).

Bei den Hochschulberufen der Informatik suchen Unternehmen häufig nach Kenntnissen von eHealth, Automatisierung sowie im Umgang mit Systems Management Software (bspw. System Center Configuration Manager), während bei den Fachkräften der Technik oft Kenntnisse von computergestützter Design-Software (bspw. AutoCAD und Revit) vorausgesetzt ist. Auch bei den Hochschulberufen der Naturwissenschaft wird vermehrt nach Kenntnissen im Umgang mit 3D-CAD-Software (bspw. SOLIDWORKS, Inventor oder CATIA) gesucht. Bei den Fachkräften von Handwerk und Industrie werden wiederum vorwiegend Kenntnisse im Umgang mit Computerized Numerical Control (CNC) und Computer-aided Manufacturing (CAM) gesucht.


[1] https://kof.ethz.ch/news-und-veranstaltungen/medien/medienmitteilungen/2022/02/kof-beschaeftigungsindikator-erreicht-historischen-hoechststand.html

[2] https://www.socialchangeswitzerland.ch/?p=2203

 

Methoden und Daten

In Zusammenarbeit mit der Adecco Gruppe Schweiz und im Rahmen der aktuellen Job Index Publikation untersucht der Stellenmarkt-Monitor Schweiz des soziologischen Institutes der Universität Zürich, welche digitalen Kompetenzen Unternehmen aktuell suchen. In Stelleninseraten informieren Unternehmen über notwendige und gewünschte Eigenschaften, Fähigkeiten und Kenntnisse zur Ausübung einer Stelle, wobei besonders jene Anforderungen genannt werden, welche (noch) nicht als selbstverständlich gelten (Salvisberg 2006).

Die vorliegende Publikation mit Fokus auf digitale Kompetenzen unterscheidet sechs Typen von digitalen Kompetenzen. Diese beinhalten jeweils eine Reihe von Eigenschaften und Fähigkeiten, welche die potenziellen Arbeitnehmenden mitbringen sollen:
 

Digitale Grundkompetenzen: Grundkenntnisse im Umgang mit IKT-Technologien (bspw. allgemeine Kenntnisse im Umgang mit PCs oder Kenntnisse mit Themen wie Digitalisierung).

Content Management: Kenntnisse von Inhalt erzeugender und Inhalt verändernder Software und Prozessen (bspw. MS Office, Photoshop, HTML oder Social Media).

Netzwerk-, System- und Datenmanagement: Kenntnisse von Prozessen und Software im Umgang mit Daten, Datenbanken, Betriebssystemen, IT-Infrastrukturen oder Hardware (bspw. Kenntnisse von IT-Infrastrukturen, Kenntnisse im Umgang mit Servern sowie Kenntnisse im Umgang mit Betriebssystemen).

Digitale Unternehmenssteuerung: Kenntnisse von Prozessen und Software zur digitalen Steuerung von Unternehmen, beispielsweise in den Bereichen Human Resources, Buchhaltung, Finanzen oder Lagerhaltung (bspw. Kenntnisse im Umgang mit Enterprise Resource Planning Systemen wie SAP).
Softwareentwicklung: Kenntnisse von Entwicklungssprachen und -software, mit denen IKT-Applikationen generiert werden können (bspw. Java, Python, C++).

Branchenspezifische IKT: Kenntnisse von branchenspezifischer IKT, die sich auf die digitale Unterstützung von typischen Arbeitsabläufen und Aufgaben in einzelnen Branchen beziehen (bspw. Computer-Aided Design (CAD), Computerized Numerical Control (CNC) oder elektronische Pflegedokumentation).

Den hier präsentierten Resultaten liegen die Job Index Daten (Adecco Group Swiss Job Market Index) für den Zeitraum vom 1. Quartal 2015 bis dem 1. Quartal 2022 zugrunde. Diese Quartalsdaten umfassen zum einen Daten aus den 12 grössten Schweizer Stellenbörsen. Zum anderen basieren sie auf Stellenausschreibungen aus knapp 1’500 Unternehmenswebseiten, die eine für die Schweiz repräsentative, nach Branche und Unternehmensgrösse geschichtete Zufallsstichprobe darstellen. Extrahiert wurden über sieben Jahre zurück die Informationen zu den digitalen Kompetenzen aus deutsch-, französisch-, italienisch- und englischsprachigen Inseraten, die sowohl von Unternehmen mit Sitz in der Deutschschweiz wie auch von Unternehmen mit Sitz in der französisch- oder italienischsprachigen Schweiz publiziert wurden.