Adecco Group Swiss Job Market Index (Job Index)

Zürich, 5. Juli 2022 – In den letzten drei Quartalen erreichte der Schweizer Arbeitsmarkt drei Mal in Folge einen Rekordwert. Mit dem erneuten Anstieg globaler Unsicherheiten im ersten Halbjahr 2022 stagniert diese Entwicklung zumindest vorübergehend. Dennoch profitiert die Mehrheit der Berufsgruppen von der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Pandemie und verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Stelleninseraten. Allen voran die Fachkräfte in Gastronomie und Verkauf. Führungskräfte stellen die einzige Berufsgruppe dar, die sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 nicht sonderlich verändert hat. Dies zeigt die wissenschaftlich fundierte Erhebung des Adecco Group Swiss Job Market Index, des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich.

Seit dem ersten Quartal 2021 kannte der Schweizer Stellenmarkt nur eine Richtung – steil bergauf. Mehrmals hintereinander verzeichnete der Job Index Rekordwerte. Nun bremst das Wachstum auf dem Stellenmarkt deutlich und verharrt auf einem historisch hohen Niveau. Im Vergleich zum Vorquartal (1. Quartal 2022) verzeichnet der Index eine geringfügige Abnahme von 0.7%, während es im Vergleich zum Vorjahresquartal (2. Quartal 2021) 24% mehr ausgeschriebene Stellen gibt.

Die Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt scheint durch die veränderte wirtschaftliche Stimmung verursacht. Während sich Schweizer Unternehmen Anfang Jahres noch überwiegend positiv über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung äusserten, hat sich diese Euphorie in den letzten Monaten gedämpft. Ein Blick auf die Konjunkturstimmung und das KOF Konjunkturbarometer zeigt, dass Schweizer Wirtschaftsakteure in der nahen Zukunft mit einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums rechnen. So prognostiziert der Schweizerische Arbeitgeberverband eine konjunkturelle Abkühlung und warnt davor, dass erste Firmen bereits Aufträge ablehnen, die eine Personalaufstockung voraussetzten. Zudem lässt der Konflikt in der Ukraine die geopolitischen Risiken steigen und hemmt Investitionstätigkeiten.

«Das wirtschaftliche Umfeld ist für Schweizer Firmen unsicherer geworden. Die andauernden Lieferengpässe sowie die steigenden Energiepreise verteuern die Produktion und schmälern die Gewinnmarge. Die sich abzeichnende globale Konjunkturabkühlung lässt zudem vermuten, dass kurz- bis mittelfristig die internationale Nachfrage nach Schweizer Gütern abnehmen könnte. All diese Faktoren können dazu führen, dass Unternehmen ihre Personalplanung vorsichtiger gestalten als noch vor ein paar Monaten.»

Marcel Keller, Country Head Adecco Schweiz

Deutliche Verbesserung in allen Sprachregionen

Vergleicht man den Arbeitsmarkt in den Sprachregionen, so zeichnet sich im Vergleich zum Vorjahresquartal aber weiterhin ein eindeutig positives Bild. Sowohl die Deutschschweiz (+28%), wie auch die lateinische Schweiz (+7%) haben von der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Pandemie profitiert. Der geringere Anstieg in der lateinischen Schweiz im Vergleich zur Deutschschweiz kann durch zwei Faktoren erklärt werden. In der lateinischen Schweiz stiegen die Stellenausschreibungen bereits im 1. Quartal 2021 wieder an, während die Deutschschweiz erst im 2. Quartal 2021 wieder einen Anstieg verzeichnete. Dies führte dazu, dass das der Indexwert für das 2. Quartal 2021 in der lateinischen Schweiz ein deutlich höheres Niveau erreichte als jener für die Deutschschweiz. Zudem verzeichnet die lateinische Schweiz im aktuellen Quartal eine Abnahme an Stelleninseraten im Vergleich zum Vorquartal. Beide Faktoren führen dazu, dass die Jahresveränderung in der lateinischen Schweiz deutlich geringer ausfällt als in der Deutschschweiz.

Die Entwicklung der 14 analysierten Berufsgruppen zwischen dem 1. Halbjahr 2021 und dem 1. Halbjahr 2022  zeigt eine allgemeine positive Tendenz. Die Mehrheit der Berufsgruppen verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Stelleninseraten. Überdies erreichen oder überschreiten alle Berufsgruppen, ausser die der Führungskräfte, ihr Vorkrisenniveau vom 1. Halbjahr 2019. Überraschend erfreulich ist zudem, dass 10 von 14 Berufsgruppen im aktuellen Halbjahr einen historischen Rekordwert aufweisen. Lediglich die Hochschulberufe Wirtschaft, Führungskräfte, die Fachkräfte Technik und die Fachkräfte KV, Verwaltung und Handel haben in den Vorjahren bereits einen höheren Indexwert erzielt als im ersten Halbjahr 2022.

Fachkräfte Gastronomie und Verkauf stärker nachgefragt denn je (+91%)

Die Berufsgruppe mit der grössten positiven Veränderung ist jene, die am stärksten von den Coronamassnahmen betroffen war: die Fachkräfte Gastronomie und Verkauf (dazu gehören Berufe wie Servicehilfskräfte, Köche/-innen und Verkaufskräfte). Mit einem Anstieg von 91% mehr Stellenausschreibungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 verzeichnet sie den höchsten Anstieg aller Berufsgruppen. Nachdem die Fachkräfte Gastronomie und Verkauf im ersten Halbjahr 2021 aufgrund von wiederholten Pandemie-Massnahmen den tiefsten Stand seit dem Start der Indexreihe im Jahr 2014 erreichte, ist die Anzahl Stellenausschreibungen im zweiten Halbjahr 2021 rasant angestiegen. Im aktuellen Halbjahr, nachdem sämtliche Corona-Massnahmen in der Schweiz Mitte Februar 2022 aufgehoben wurden, gipfelt der Indexwert auf einer neuen Rekordhöhe und überschreitet das Vorkrisenniveau (1. Halbjahr 2019) um 38%. Die Fachkräfte Gastronomie und Verkauf profitieren somit mehr als alle anderen Berufsgruppen vom Ende der Corona-Massnahmen.

Starkes Stellenwachstum bei den Fachkräften Büro (+74%)

Auch die Fachkräfte Büro, zu denen Berufe wie Reiseverkehrsfachkräfte, allgemeine Bürokräfte und Bürokräfte mit Kundenkontakt gehören, wurden durch die Coronakrise empfindlich getroffen. Dies führte dazu, dass die Fachkräfte Büro im zweiten Halbjahr 2020 ein Rekordtief an ausgeschriebenen Stellen notierten. Der starke Rückgang im Jahre 2020 mag auf den ersten Blick überraschend aussehen, da Massnahmen wie Homeoffice oder Distanzierungsregelungen in diesen Berufen in vielen Fällen relativ einfach einzuführen sind. Jedoch haben viele Unternehmen in dieser Zeit einen Einstellungsstopp verfügt, wovon auch die Fachkräfte Büro betroffen waren. Hinzu kommt, dass viele Arbeitsstellen für diese Fachkräfte in Branchen ausgeschrieben werden, die durch die Coronamassnahmen stark in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit eingeschränkt wurden (bspw. Tourismusbranche).

Die Erholungsphase setzte bereits im ersten Halbjahr 2021 ein. Seitdem steigt die Zahl der Stelleninserate für diese Berufsgruppe stetig an. Dadurch verzeichnen die Fachkräfte Büro dieses Halbjahr ein Plus von 74% im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr. Zudem erreicht der Indexwert für diese Berufsgruppe einen Rekordwert, der 28% über dem Vorkrisenniveau liegt. Somit sind für die Fachkräfte Büro zurzeit so viele Stellen offen wie noch nie.

Fachkräfte persönliche Dienstleistungen (+68%)

Bei den Fachkräften persönliche Dienstleistungen, zu denen unter anderem Coiffeure/-sen, Schaffner/-innen, Assistenzberufe im Gesundheitswesen, Betreuungsberufe oder Hauswarte/-innen gehören, hat die Anzahl Stellenausschreibungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 um 68% zugenommen. Im Vergleich zu den Fachkräften Büro und den Fachkräften Gastronomie und Verkauf, verlief in diesen Berufen der coronabedingte Einbruch weitaus glimpflicher. So lag der Corona-Tiefpunkt im ersten Halbjahr 2021 nur 4% tiefer als der Vorkrisenwert im ersten Halbjahrs 2019. Im zweiten Halbjahr 2021 stieg dann die Anzahl ausgeschriebener Stellen rasant an und erreicht im aktuellen Halbjahr einen historischen Höchstwert, der 62% über dem Vorkrisenniveau liegt.

Verlangsamtes Wachstum bei den Hochschulberufe Informatik (+15%)

Die Hochschulberufe Informatik, zu denen Berufe wie Softwareentwickler/-innen oder Datenbankspezialisten/-innen gehören, notierten ihren Corona-Tiefpunkt im zweiten Halbjahr 2020. Zu diesem Zeitpunkt lag die Anzahl ausgeschriebener Stelleninserate im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr (2. Halbjahr 2019) um 16% tiefer.

Danach erholte sich diese Berufsgruppe vergleichsweise schnell und erreichte bereits im nächsten Halbjahr (1. Halbjahr 2021) wieder das Vorkrisenniveau. Seit dem zweiten Halbjahr 2021 hat sich das Stellenwachstum zwar etwas verlangsamt, was den aktuell geringeren Anstieg von 15%, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 erklärt. Jedoch erreicht auch diese Berufsgruppe im ersten Halbjahr 2022 einen Rekordwert der 17% über dem Vorkrisenniveau liegt.

«Die Hochschulberufe Informatik konnten vorwiegend davon profitieren, dass der Digitalisierung, durch die Pandemie einen höheren wirtschaftlichen Stellenwert zugeschrieben wurde. Im Jahr 2021 haben Unternehmen vermehrt in Digitalisierungsprojekte investiert, um Transformationsprozesse zu beschleunigen. Diese Investitionen liessen die Nachfrage nach geeigneten IT-Fachkräften rapide steigen.»

Yanik Kipfer, Stellenmarkt-Monitor Schweiz

Fachkräfte Technik stabilisieren sich auf der Höhe des Vorkrisenniveaus (+11%)

Die Fachkräfte Technik, zu denen unter anderem Elektrotechniker/-innen, technische Zeichner/-innen und Bautechniker/-innen gehören, erfreuen sich im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr über einen Zuwachs an Stelleninseraten von 11%. Zu Beginn der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 verzeichneten die Fachkräfte Technik noch einen Stellenrückgang von 18% im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr. Diesen Verlust konnten sie jedoch wieder wettmachen. So erreichten die Fachkräfte Technik im zweiten Halbjahr 2021 wieder das Vorkrisenniveau. Die Anzahl Stellenausschreibungen hat sich seitdem auf diesem Niveau stabilisiert.

Anhaltend geringe Nachfrage nach Führungskräften seit Corona-Einbruch (-2%)

Die Führungskräfte stellen die einzige Berufsgruppe dar, die sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 nicht sonderlich verändert hat. Sie erlitten im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorkrisenhalbjahr (1. Halbjahr 2019) einen Rückgang von 20% weniger ausgeschriebenen Stellen. Seither verharrt der Indexwert für die Führungskräfte auf einem vergleichsweise tiefen Niveau.

«Im Gegensatz zu den anderen Berufsgruppen ist bei den Führungskräften seit dem Ausbruch der Pandemie keine erhöhte Nachfrage ersichtlich. Die Nachholeffekte der Pandemie haben die internationale wie auch die Binnennachfrage innerhalb des letzten Jahres in kürzester Zeit steigen lassen. Viele Unternehmen stehen momentan weiterhin vor der Herausforderung, die hohe Nachfrage zeitnah zu bedienen. Um dies zu bewerkstelligen, muss primär die Belegschaft ausgebaut werden. Ohne die nötigen Fachkräfte an der Basis, wie Köchinnen und Köche, Handwerkerinnen und Handwerker oder Bürokräfte, können Unternehmen ihre operationelle Tätigkeit nicht aufrechterhalten. Dadurch wird die Suche nach Führungskräften zweitrangig.»

Marcel Keller, Country Head Adecco Schweiz

Methode und Datenbasis

Der Adecco Group Swiss Job Market Index misst die Veränderungen des Stellenangebots − der Zahl der öffentlich ausgeschriebenen Stellen − in der Schweiz. Der Index ist repräsentativ für das gesamte Stellenangebot in Presse*, auf Unternehmenswebseiten sowie in Internet-Stellenportalen. Er stützt sich auf umfassende Auszählungen von Stellenausschreibungen sowie regelmässige Unternehmensbefragungen. Dank der Kooperation mit Adecco kann der durch den SMM erstellte Index seit März 2008 quartalsweise zur Verfügung gestellt werden. Ein PDF-Dokument mit detaillierteren Angaben zur Datengrundlage und Methodik steht am Ende dieser Seite zum Download bereit. Zudem stehen die aktuellen Indexwerte, die jeweils anfangs April, Juli, Oktober, Januar publiziert werden, als Excel-File zur Verfügung**.


Daten (Indexwerte)
Methoden
Schema Erhebungsdesign


* Aufgrund des Bedeutungsverlusts der Presse für Stellenanzeigen fliesst die Anzahl der Stelleninserate in der Presse seit dem 2. Quartal 2018 nicht mehr in die Berechnungen des Adecco Group Swiss Job Market Index ein.
** Da sich der Stellenmarkt stetig wandelt und wir unsere Erhebungsmethoden dementsprechend anpassen und verbessern, kann es vorkommen, dass die aktuell publizierten Zahlen leicht von früher publizierten Zahlen abweichen.